Information über CKG - Computerkinematographie
Quelle: Originaltext kopiert aus: http://www.vetmed.uni-muenchen.de/forschung/promotionen/ss02/ReiningerE.txt
Reininger, Eberhard Frank
Erfassung der Beschleunigungen an den Pferdebein während eines Sprunges über ein Hindernis mit Anreit-, Absprung-, Lande- und Auslaufphase. Der Körper des Pferdes ist als statisches Modell zu verstehen, indem viele Faktoren die in den Körper eingeleitete Kraft beeinflussen. In dieser Dissertation wurde nur die Wirkung der Kräfte auf die Gliedmaßen und hier insbesondere die Dynamik des Zehenendorgans untersucht. Für die Gewinnung der Daten wurde die Computerkinematographie (CKG) verwendet. Dieses System, das die Beschleunigungen mit misst, hat sich durch einfache Handhabung, hohe Präzision der ermittelten Daten und vor allem durch seine Zuverlässigkeit bewährt. Die Beschleunigung ist ebenso, wie zum Beispiel die Stützkraft, ein Indikator für die Kraft, die auf den Körper einwirkt, bzw. für die Belastung, welcher der Körper und besonders die Zehenendorgane ausgesetzt sind. Die Untersuchungsergebnisse aus der Kraftmessung nach MARQUIS (1999) und der Computerkinematographie nach FALATURI (2001) haben gezeigt, dass sich die Beschleunigung besser eignet, um bei hohen Geschwindigkeiten mit hohen Maxima Daten zu erfassen. Bei der Beurteilung der Daten stößt die Belastungskraft, wie am Beispiel von Trab und Piaffe gut zu erkennen war, an ihre Grenzen. Besonders die hier nach einer Glättungsprozedur korrigierten und ermittelten Röhrbeinbeschleunigungen spiegeln die wirklichen Beschleunigungsverhältnisse, denen die entsprechende Gliedmaße beim Auffußen ausgesetzt ist, wieder. Diese geglätteten Beschleunigungen stellen einen Durchschnittswert aus den Werten der unterschiedlichen Gewebestrukturen dar. Ebenso finden in diesem Wert die dämpfenden Eigenschaften verschiedener Organe der Gliedmaßen Beachtung, wie der Fesseltrageapparat, die synsarkotische Aufhängung des Schultergürtels oder der Hufmechanismus. Die geglätteten Beschleunigungen entsprechen damit exakt der Belastung, welche die Gliedmaße beim Auffußen erfährt. Das Verhältnis zwischen Abmessung eines Hindernisses und der damit verbundenen Beschleunigung unterliegt nicht einer linearen Funktion. Das heißt, die Beschleunigung steigt nicht im selben Maße an, wie die Abmessung der Hindernisse erhöht wurde. Aufgrund der Ergebnisauswertung können folgende Schlussfolgerungen in Bezug auf den Parameter Beschleunigung gezogen werden:
1.die Beschleunigung ist eine subjektive Frage der Rittigkeit und des Leistungsvermögens der Pferde. 2.die Beschleunigung ist abhängig von den reiterlichen Fähigkeiten und dem Ausbildungsstand des Reiters. Je optimaler die Anreitphase vom Reiter gestaltet wird und desto mehr der Reiter sein Pferd auf dem Weg zum Hindernis spannt und versammelt, desto mehr ist der Absprung eine Kombination aus Schwung, Spannung, Kraft und Vermögen. Besonders Spannung und Kraft können bis zu einem gewissen Grad auch durch ein höheres Grundtempo ausgeglichen werden, womit dann aber wieder die Beschleunigungen deutlich ansteigen.
3.die Beschleunigung unterliegt der Individualität. Dies wird am Beispiel des Absprunges deutlich. Hier zeigt sich, dass der Schub der Gliedmaßen, der entwickelt werden muss um das Hindernis zu überwinden, individuell entsteht, jedoch dann innerhalb des Individuums einer Regelmäßigkeit unterliegt. Fazit: Die Beschleunigung, die von den Pferden in der Sprungphase entwickelt wird, ist eine individuelle Eigenart. Diese Eigenart wird nicht als Verfälschung der Messung bewertet. Das heißt aber nicht, dass die Beschleunigungen nicht ansteigen je höher der Sprung wird. Sie tun dies sehr wohl, man kann darin aber keine Gesetzmäßigkeit erkennen, denn sie unterliegen erneut der Individualität. Vielmehr ist der Unterschied der Beschleunigungen, welchen die Gliedmaßen allgemein beim Springen ausgesetzt sind, im Vergleich zu einem "normalen Galoppsprung", deutlich größer als der Unterschied der Beschleunigungen zwischen unterschiedlich hohen Hindernissen. Es gibt weder insgesamt, noch individuell betrachtet, eine Hindernishöhe ab der die Beschleunigungen sprunghaft oder auch nur deutlich ansteigen. Damit ist es auch nicht möglich eine Grenze zwischen einem "hohen und einem niedrigen Hindernis" zu erkennen.
Die von BARREY und GALLOUX (1997) gemachten Feststellungen, dass talentierte und untalentierte Springpferde anhand der Beschleunigungsverhältnisse zwischen Vorder- und Hintergliedmaßen unterschieden werden können, kann durch die vorliegende Studie nur bedingt bestätigt werden. Der subjektive Vergleich der Sprungtechnik bestehend aus Manier und Bascule - mit den Beschleunigungen, veranschaulicht, dass Pferde mit ausgesprochen guter Sprungtechnik ein besonderes Muster in ihren Beschleunigungen aufweisen. Darin zeigen diese Pferde bei allen Höhen und Hindernistypen für jede Gliedmaße ein bestimmtes Niveau, auf dem sich die Beschleunigungen mit geringen Schwankungen bewegen. Es ist möglich, nur durch Betrachten des ausgedruckten Beschleunigungsdiagramms, die Beschleunigungen einer Gliedmaße zuzuteilen. Allein die Sprungtechnik sagt aber noch nichts aus über das Vermögen der Pferde, sprich: über das Talent der Pferde hoch und weit zu springen. Eine sehr wichtige Beobachtung konnte im Bezug auf die Fußfolge bei der Landung und den darauffolgenden Galoppsprüngen gemacht werden. Es fiel auf, dass mit Ausnahme von Pferd 4, welches aufgrund einer generell chaotische Fußfolge aus den Versuchspferden heraus gestochen ist, alle anderen Pferde auf einer, für sie individuellen Seite gelandet sind. Da die Durchläufe sowohl im Uhrzeigersinn, als auch gegen diesen, sprich auf der rechten und linken Hand, durchgeführt wurden, wurde erwartet, dass die Pferde auch auf der entsprechenden Seite landen, auf der rechten Hand im Rechtsgalopp und umgekehrt. Das war aber nicht der Fall. Jedes Pferd hatte eine individuelle Seite auf der es bevorzugt gelandet ist, unabhängig zur Richtung, in der das zu springende Hindernis überwunden werden musste. Die Ursache für diese Beobachtung ist in der natürlichen Schiefe der Pferde zu suchen. Pferde zeigen eine Neigung ihre Wirbelsäule in die Richtung zu biegen, in die es die Natur durch ihre natürliche Schiefe vorgibt. Dazu muss die Rückenmuskulatur auf der zu biegenden Seite kontrahiert werden. Um dies zu ermöglichen, muss man die Muskulatur entlasten, wie es während der Flugphase über dem Hindernis der Fall ist. Des weiteren kann durch die durchgeführten Untersuchungen bezüglich Gliedmaßenbelastungen folgendes bestätigt werden: Einseitiges Landen auf einem Vorderfuß führt zu einer deutlichen Mehrbelastung desselben. Längere einseitige Belastungen einer Gliedmaße führen zu frühzeitigem Verschleiß. Einseitige Gliedmaßenbelastungen stellen damit eine erhebliche Belastung für den Körper dar.
Die Untersuchungsergebnisse dieser Studie lassen unter anderem die Schlussfolgerung zu, dass Dressurmäßige Arbeit und Gymnastik, die wesentliche Prophylaxe vor zu hohen Gliedmaßenbelastungen für Pferde, die hohen Gliedmaßenbelastungen ausgesetzt sind, darstellen. Sie sind damit die wesentlichen Trainingselemente, welche die Belastung der Pferde beim Springen über Hindernisse reduzieren können.
Quelle: Originaltext kopiert aus: http://www.vetmed.uni-muenchen.de/forschung/promotionen/ss02/ReiningerE.txt
weitere Informationen: http://www.fzmb.de/pdf/bewegungsanalyse.pdf